Fortbildung

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Fünf Thesen zur Fortbildung von SterbebegleiterInnen

von Johann-Christoph Student[1]

Fortbildung für Menschen die in der Sterbebegleitung tätig sind - insbesondere für Freiwillige BegleiterInnen im Hospizbereich - ist weithin eine fraglose Selbstverständlichkeit. Es soll hier versucht werden, diese Selbstverständlichkeit wenigstens in einigen Punkten zu einer Verständlichkeit zu machen.

1. These:

Zur Sterbebegleitung ist grundsätzlich jeder Mensch befähigt und jeder sollte diese Befähigung im Alltag nutzen. Hierzu bedarf es keiner Fortbildung.

Wenn wir uns in der Hospizlandschaft umsehen, ist es zwar allgemein unbestritten, dass Helfende im Hospiz eine besondere Vorbildung für ihre Arbeit haben sollten. Hierdurch könnte jedoch der falsche Eindruck entstehen, dass Sterbebegleitung nur von denen geleistet werden kann, die über eine entsprechende Weiterbildung verfügt. Dies aber wäre fatal, würde es auch auf den Alltag bezogen. Sterbebegleitung ist zunächst einmal Alltagshandeln und müsste es in weit stärkerem Maße wieder werden. Jeder Mensch ist in dem Sinne zu Sterbebegleitung befähigt, in dem er zur Kontaktaufnahme, zum Beziehungsaufbau, zu einfühlsamem mitmenschlichem Verhalten befähigt ist. Hierzu bedarf es keiner speziellen Ausbildung.

Hospizarbeit muss sich hüten, hier einen Mythos aufzubauen und damit Menschen im Alltag daran zu hindern, auf einen sterbenden Nachbarn, Freund oder Angehörigen offen und anteilnehmend zuzugehen. Indem die Schwelle für Sterbebegleitung durch Vorschaltung einer Fortbildung erhöht wird, besteht die Gefahr, dass die Allgemeinheit aus dieser Möglichkeit herausgenommen wird. Aber eigentlich ist Sterbebegleitung als Alltagshandeln gefragt. Das Ziel der Hospizarbeit ist es im Grunde genommen, diesen Trend zu verstärken.

2. These:

Bildungsarbeit dient der Qualitätssicherung in der Sterbebegleitung im Hospiz nach innen (bezogen auf die helfende Person) und außen (bezogen auf die sterbende oder trauernde Person)

Weshalb ist Fort- und Weiterbildung in der Sterbebegleitung für HospizmitarbeiterInnen - seien es freiwillige oder hauptamtliche - dennoch erforderlich? Bei der Zurüstung zur Sterbebegleitung durch eine Institution wie dem Hospiz wird von dieser Institution Verantwortung übernommen. HospizmitarbeiterInnen wenden sich nicht in Eigeninitiative sterbenden oder trauernden Menschen zu, sondern sie tun dies im Auftrag. Die beauftragende Institution übernimmt dabei Verantwortung in zwei Richtungen:

a)  Gegenüber dem sterbenden Menschen im Sinne einer Qualitätskontrolle.

b)  Gegenüber dem helfenden Menschen im Sinne einer verantwortlichen Unterstützung dieser Person.

Ein Hospiz sichert durch Bildungsarbeit, dass die Mitarbeitenden einen Mindeststandard an erforderlichen Kenntnissen und Fertigkeiten besitzen. Hierzu gehört - neben dem Wissen über das Hospizkonzept - in erster Linie Kommunikationsfähigkeit und Konfliktfähigkeit. Bildungsarbeit sichert aber auch, dass die helfende Person sich nicht überfordert, nicht in eigene emotionale Fallen gerät und nicht ausbrennt. Gleichzeitig stärkt diese Art von Bildungsarbeit die Möglichkeit der Selbstkontrolle der Helfenden in dem Sinne, dass sie für sich selbst Rückmeldungen entwickeln können, ob die Arbeit die sie tun (noch) das Richtige ist. Sie entlastet die Institution davon, ihrerseits eine erniedrigende oder wenigstens infantilisierende Form der Kontrolle der Helfenden ausüben zu müssen.

Hinzu kommt, dass in der weltweiten Hospizbewegung mittlerweile eine Reihe wichtiger Methoden zur Unterstützung betroffener Menschen bei der Bewältigung unheilbar tödlich verlaufender Erkrankungen entwickelt worden ist. Diese Konzepte werden mit den Begriffen „Palliative Care“ oder „Hospiz-Pflege“ zusammengefasst. Das Wissen um die Inhalte dieses Konzeptes gehört mit zu den Inhalten, die heute in der Aus- und Weiterbildung von HospizmitarbeiterInnen nicht mehr fehlen dürfen, soll eine qualitätvolle Betreuung gesichert sein.

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